BVG-Taxis

Wenn Sie das nächste Mal mit der Straßenbahn fahren wollen, kann es passieren, dass Sie stattdessen im Taxi landen. Die BVG setzt ab sofort beim Ausfall von U- und Straßenbahnen kurzfristig Taxis für den Schienenersatzverkehr ein, bevor die eigenen Ersatzbusse bereit stehen. Das dauert manchmal eine halbe, dreiviertel Stunde, im Gegensatz dazu sind Taxis natürlich viel schneller vor Ort.

Deshalb war ich gestern bei einer gemeinsamen Schulung von Würfelfunk und Verkehrsbetrieben. Dort wurden wir in die Verhaltensweisen von BVG-Busfahrern eingewiesen. Also nicht in notorischer Unfreundlichkeit, sondern worauf man bei Fahren im Linienverkehr zu achten hat. Wir werden also künftig Kollegen der Busfahrer sein, obwohl zwischen denen und uns eine natürliche Feindschaft besteht. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Anstatt den schnellsten oder kürzesten Weg zu fahren, müssen wir stattdessen die einzelnen U-Bahnhöfe oder Straßenbahn-Haltestellen ansteuern und die Fahrgäste ohne Kontrolle oder Ticketverkauf dort einladen oder absetzen. Sogar die wenigen Busspuren die sonst für uns gesperrt sind dürfen wir dann nutzen, denn offiziell fahren wir in diesem Moment keine Taxis, sondern Fahrzeuge im Linienverkehr.
Also: Falls Ihre gewohnte Straßenbahn mal ausfallend wird, warten Sie einfach auf ein Taxi und fahren Sie zum BVG-Tarif. Aber vergewissern Sie sich vorher, ob es wirklich im Schienenersatzverkehr fährt, sonst wird es teuer!

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16 Kommentare zu BVG-Taxis

  1. Wie ist das eigentlich: Läuft die Bezahlung dann über Gutscheine nach Taxameter oder gibt es einen Spezialtarif für die teilnehmenden Taxis?

  2. Es ist wie ein normaler Auftrag, man lässt die gesamte Zeit das Taxameter laufen :-)
    Das wird dann mit der BVG als Rechnungsfahrt abgerechnet.

  3. Und fährt man dann die ganze Strecke ab, oder nur solange die Fahrgäste im Auto das wollen?
    Also spielt man wirklich Bus oder fährt man nur die aktuellen Kunden?

  4. Man fährt wie ein SEV-Bus alle Haltestellen ab. Nur dass man eben nicht ganz so viel Fahrgäste einlädt :-)

  5. Immer wieder oder nur einmalig?
    (Sag mir, wenn ich nerve, interessiert mich nur mal)

  6. Man fährt die ganze Zeit zwischen zwei vorgegebenen Bahnhöfen hin und her, z.B. Kotti und Möckernbrücke oder so. Je nachdem, wo die Sperrungen sind. Dort jeweils wenden und wieder zurück. Also genau wie die Busse.

  7. OK, gut zu wissen. Danke für die Infos! Wie kommst du dazu? Via Funkzentrale, Unternehmen oder durch eigenes Engagement?

  8. Mein Chef hat uns alle da hingeordert, zu nachtschlafender Zeit (12 Uhr!!!).
    Aber ich finds nicht schlecht, bin ja auch “Reference-Taxifahrer” :-)

  9. Autsch!
    Das klingt zeitlich bitter! Aber sonst finde ich es auch ok – schon alleine, weil es uns ja zusätzliche Einnahmequellen beschert. :)
    Die Reference-Geschichte klingt allerdings eher traurig. Was ist daraus geworden? Mir jedenfalls ist das kein Begriff, und somit vermute ich mal dreist, dass das Projekt kaum Anhänger gefunden hat – so sinnvoll es auch sein mag…

  10. Etwas ähnliches gibt es bei uns auch, das nennt sich Anruf-Linientaxi (ALITA). Das läuft aber nicht bei Linienausfall an, sondern planmäßig, wenn eine Linie zu bestimmten Zeiten wegen zu geringen Fahrgastaufkommens nicht mehr bedient wird. Der potentielle Fahrgast muß sich dann telefonisch oder beim Fahrer der Anschlußlinie melden und die ALITA-Fahrt bestellen. Die gilt dann aber nur für die angemeldeten Passagiere und mit Fahrkartenkontrolle bzw. -verkauf.

  11. @Sash
    Das mit dem Reference-Taxi ist direkt danach wieder eingeschlafen. Dafür habe ich jetzt eine Urkunde, die mich als Reference-Fahrer ausweist (hach, bin ich stolz) und eine Kunststoffscheibe mit Saugnapf, die an der Innenscheibe angebracht werden sollte, um mein Taxi als etwas Besonderes zu kennzeichnen :-D

  12. @Bernd
    Stimmt, das ist was anderes. Nachts gibt es hier auch Großraumtaxis, die in Außenbezirken und im Umland statt der BVG-Busse eingesetzt werden.

  13. Hi Aro,

    klasse diesen Block hier zu finden.
    Ich bin Doktorand und meine DIssertation liegt Bereich der Behebung von Unterbrechungen im Schienenverkehr der Tram. Ich fokussiere mich darauf wie Taxis als Schienenersatzverkehr feingesetzt werde.
    Ich wuerde mich freuen auch von Ihnen ein paar Einblicke von dir zu erhalten.
    Ins besondere habe ich folgende Fragen:
    Was ist der Anreiz fuer euch als Taxiunternehmen zu kooperieren? Ermoeglicht die Kooperation hoehere Gewinne? Was sind Ihre Fahrzeuge Ausgelastet?

    Halted ihr Taxis abrufbereit oder versuchen ihr den Bedarf mit den Fahrzeugen zu decken die regulaer in Einsatz sind? Wenn dem so ist, was macht ihr waehrend der Rush-Hour; woher bekommen Sie die Taxis im Falle eines geforderten Ersatzvekehr-Einsatzes?

    Vielen Dank fuer deine Hilfe.
    Ich entschudlige mich fuer Schreibfehler, aber ich bin Amerikaner.

  14. Hallo Felix D,
    ich selbst habe erst zweimal den Schienenersatzverkehr erlebt, aber ich fahre auch nicht tagsüber, vielleicht kommt er dann öfter vor.
    Der Anreiz liegt natürlich darin, dass es eine Einnahmequelle ist.
    Extra bereitgehalten werden die Taxis nicht, sondern es werden diejenigen einbezogen, die in der Nähe sind und an dem Programm teilnehmen. Ich hatte sogar einige Kilometer Anfahrt, weil nicht genug vor Ort waren.
    Letztendlich überbrücken die Taxis auch nur die Zeit, bis Ersatzbusse da sind, die dann den SEV übernehmen.

    Mehr kann ich dazu auch nicht sagen.Am besten wendest du dich an Taxi Berlin/Würfelfunk, die haben den Vertrag mit den Verkehrsbetrieben gemacht.
    Den erreichst Du hier: http://wuerfelfunk.de/impress.htm

  15. Aber meiner Recherchen zufolge bezahlt die BVG nur den üblichen Taxitarif. Also besteht der einzige Anreiz darin, die Auslastung zu erhöhen. Verstehe ich das richtig?

    Danke für deine Ausführliche Antwort

  16. Der Vertrag wurde meines Wissens von http://www.taxi-berlin.de gemacht…

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