Ärger mit der Kanzler-U-Bahn

Wirklich wundern tut es sicher niemanden, wenn man jetzt hört, dass die Stummelstrecke namens Kanzler-U-Bahn um 22 Millionen Euro teurer wird, als bisher geplant. Es wäre wohl auch das erste Mal in der jüngeren Berliner Baugeschichte, wenn ein Großbauprojekt mal nicht teurer wird als vorher angegeben.

Wirklich wundern tut es sicher niemanden, wenn man jetzt hört, dass die Stummelstrecke namens Kanzler-U-Bahn um 22 Millionen Euro teurer wird, als bisher geplant. Es wäre wohl auch das erste Mal in der jüngeren Berliner Baugeschichte, wenn ein Großbauprojekt mal nicht teurer wird als vorher angegeben.
Unverschämt ist allerdings, dass der ausführende Baukonzern Hochtief die Mehrkosten bei der BVG einklagen will. Wie läuft denn solch eine Projektvergabe ab? Der Bauherr gibt das Ziel vor, die Firmen machen ihre Angebote und das günstigste wird ausgewählt. Günstig heiß dabei nicht unbedingt billig, sondern berücksichtigt auch evtl. Zusatz- und Garantieleistungen. Leider wird aber oft nur das niedrigste Angebot ausgewählt. Doch dieser Anbieter geht spätestens dann in die Knie, wenn es während des Baus zu Komplikationen kommt. Das ist in Berlin fast die Regel, denn hier finden sich sowohl ein besonders hoher Grundwasserspiegel, als auch zahlreiche Gesteinsschichten im Boden. Das weiß natürlich auch jede ausführende Baufirma. Man kann also auch davon ausgehen, dass auch Hochtief davon gehört hat.
Stattdessen wird nun gejammert, dass es sich hier um eines der schwierigsten Tunnelprojekte der Welt handele, man sei auf eine fast drei Meter dicke Geröllschicht gestoßen. Doch niemand, der in Berlin baut, geht davon aus, dass er nur durch einfachen Sand muss. Wenn doch, plant er unprofessionell. Es ist unerträglich, dass sich die Baukonzerne immer wieder so scheinheilig erstaunt zeigen, wenn sich ihre Gutwetterplanung als unrealistisch erweist. Anstatt diesem durchsichtigen Manöver nachzugeben, sollte der Senat darauf bestehen, dass das ursprünglich abgegebene Angebot eingehalten wird. Das Risiko liegt bei den Baufirmen, sie müssen es bei ihrer Angebotsplanung berücksichtigen. Aber erst niedrig kalkulieren, um den Zuschlag zu bekommen, und dann Nachforderungen stellen, das darf nicht weiter akzeptiert werden.
Die sogenannte Kanzlerbahn verbindet den Pariser Platz mit dem Hauptbahnhof, dazwischen liegt noch der Bahnhof Bundestag. Insgesamt kostet diese 2 Kilometer lange Strecke 200 Millionen Euro. Der jetzige Streit betrifft vor allem den Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor. Mittlerweile geht die Planung davon aus, dass die Strecke im Mai 2009 eröffnet wird. Irgendwann im nächsten Jahrzehnt soll sie mal bis zum Alexanderplatz verlängert werden. Wenn nicht plötzlich wieder Steine oder Wasser im Boden auftauchen…

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