Pflüger spaltet die CDU

Seit Friedbert Pflüger vor zwei Jahren nach Berlin kam um hier Regierender Bürgermeister zu werden, tritt er von einem Fettnäpfchen ins nächste. Mal nennt er seine eigene Gruppe im Berliner (!) Abgeordnetenhaus “CDU/CSU-Fraktion”, mal geht er mit einer SED-Parole an die Öffentlichkeit oder er pflaumt im Parlament den Bürgermeister mit “Lachen Sie nicht so dämlich!” an. In seinem schicken Weblog schreibt er jetzt, er hätte am Donnerstag in der Berliner Morgenpost gelesen, dass er als Fraktionsvorsitzender gestürzt werden solle. Deshalb habe er am selben Tag angekündigt, im kommenden Jahr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Der jetzige Vorsitzende Ingo Schmitt wurde davon überrascht, so wie auch der Rest der Partei. Eine Kandidatur Pflügers war bisher nicht bekannt. Aber Friedbert wäre nicht er selbst, wenn er nicht seinen Weg gehen würde und nun selbst an einem Putsch bastelt. So sind jedenfalls einige seiner Äußerungen zu verstehen. Ihn stört auch nicht die Tatsache, dass er 2006 der Berliner CDU das schlechteste Wahlergebnis seit ihrem Bestehen beschert hat, offenbar sieht er das sogar als Empfehlung, nun nicht nur die Fraktion, sondern auch den Rest der Partei mit in den Abgrund zu reißen.

Dabei sind Pflügers inhaltliche Aussagen, sofern sie denn mal verständlich sind, durchaus zu begrüßen, jedenfalls einige. Er will die CDU öffnen, die Vielfalt sexueller Orientierungen, Kulturen und Religionen” akzeptieren und sogar eine Koalition mit den Grünen nicht ausschließen. Darin unterscheidet er sich positiv von Ingo Schmitt, er noch aus dem alten West-Berliner CDU-Sumpf stammt. Dass Pflüger aber einen Schwerpunkt darauf legt, die zugezogenen Berliner zu erreichen, zeigt wie wenig ihm die eigenen Partei und ihre Basis bedeutet. Und wie weit er noch immer von ihr entfernt ist. Das macht auch seine Ankündigung deutlich, dass er sich demnächst auf Regionalkonferenzen der Basis vorstellen möchte. Kommt das nicht etwas spät?
In der CDU ist jetzt jedenfalls ein breiter Riss entstanden, die Ortsgruppen positionieren sich für Schmitt oder Pflüger, das alles eigentlich ohne Not, denn der nächste Parteitag ist erst im Mai 2009. Heute erklärte Pflüger, dass es von vornherein sein Plan gewesen sei, in Berlin auch Parteivorsitzender zu werden. Da fragt sich doch, wer eigentlich der Putschist ist.
Gestern gab er auch noch bekannt, dass er nicht mehr als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl 2011 zur Verfügung stehe, sollte er nicht zum Vorsitzenden gewählt werden. Es besteht also noch Hoffnung.

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